Nach seinem Debütalbum "Realtime Voyeur" legt der dänische Prinz mit der schwarzen Stimme Raz Ohara alias Patrick Rasmussen sein zweites, ebenso außergewöhnliches Werk beim Berliner Kultlabel Kitty-Yo vor.
Auch hier steht die Arbeit eines Mannes im Vordergrund, der sich um Dinge wie Kommerzialität oder Außenwirkung nicht die Bohne schert. Ich habe es schon erlebt, dass seine Introvertiertheit in der Vergangenheit dazu führte, dass er Konzerte einfach abbrach, weil er plötzlich nicht mehr spielen wollte und sich fehl am Platz fühlte. Und doch sprudelt der junge, sensible Songwriter geradezu vor Kreativität und er präsentiert sich erneut als hervorragender Sänger mit dem gewissen Etwas in der Stimme, auch Seele genannt. Er ist Indiesoul, der R. Kelly des Postgrunge, der Bob Dylan des 21. Jahrhunderts, irgendwas dazwischen und irgendwie natürlich auch wieder was ganz anderes.
Im Gegensatz zum Vorgänger, der von verquirlter Elektronik nur so sprudelte lautet das Prinzip auf diesem Werk schlicht und einfach: Mann mit Stimme + Gitarre, what more do you need? Das verdeutlicht er besonders auf dem Track
„Paid Voyeur“, der bereits auf der ersten Platte als „Payed Voyeur“ in der Vollelektronik Variante zu finden ist. Hier läuft Remixen einmal andersrum: Elektronik raus, Gitarre und Percussion rein. Großartig!
Der Gesang von Raz Ohara ist übrigens unglaublich: ungeheuer intensiv, komischer (dänischer) Akzent, pathetisch, sehnsüchtig. Manchmal nölig, aber immer im Guten. Er singt dir aus der Seele, wenn es dir schlecht geht: „I don’t wanna see no more reality, I got a key to the door for the place where nobody knows me.” Und weiß genau, um was es wirklich geht: „I wanna feel you, I wanna get closer.“ Diese Platte ist wie ein „beautiful day in a cold and sad world“. Und größer als Gott, naja – manchmal zumindest.
Die CDs können über Amazon bestellt werden. Einfach auf die Links unten klicken!